Nur schwache saisonale Impulse. Geschäftsklimaindex sinkt weiter
Die konjunkturelle Lage des Handwerks in Nord-, Ost- und Mittelhessen bleibt angespannt. Zwar hat sich die aktuelle Geschäftslage im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Jahresbeginn leicht verbessert. Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Bewertung jedoch deutlich schwächer aus. Gleichzeitig blicken die Betriebe sehr skeptisch auf die kommenden Monate. Das zeigt die aktuelle Sommer-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel, an der sich 535 Betriebe aus dem Kammerbezirk beteiligt haben.
Insgesamt bewerten 34,2 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Im ersten Quartal 2026 waren es 31,8 Prozent. Vor einem Jahr lag der Anteil allerdings noch bei 38,1 Prozent. Gleichzeitig beurteilen 19,4 Prozent der Betriebe ihre Lage als schlecht. Im Vorjahresquartal waren es lediglich 11,6 Prozent. Der Geschäftsklimaindex sank gegenüber dem ersten Quartal um 3,7 Punkte auf 103,6 Punkte. Im zweiten Quartal 2025 hatte er noch bei 109,6 Punkten gelegen. »Die aktuellen Ergebnisse zeigen zwar eine leichte saisonale Stabilisierung, aber von einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung sind wir weit entfernt. Vor allem die deutlich eingetrübten Erwartungen machen deutlich, dass die Betriebe weiterhin mit erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten rechnen«, erklärt Rolph Limbacher, Präsident der Handwerkskammer Kassel.
Die einzelnen Handwerksgruppen entwickelten sich unterschiedlich. Besonders deutlich verschlechterte sich die Stimmung im Nahrungsmittelgewerbe. Auch in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf fiel die Entwicklung schwach aus. Vergleichsweise stabil zeigte sich die Lage im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. Leichte Verbesserungen waren im Kraftfahrzeuggewerbe zu beobachten.
Auftragseingänge insgesamt schwach
Bei den Auftragseingängen zeigte sich gegenüber dem Jahresbeginn eine leichte saisonal bedingte Verbesserung. 16,6 Prozent der Betriebe meldeten steigende Auftragseingänge. Im ersten Quartal waren es 12,9 Prozent. Gleichzeitig berichteten aber 30,2 Prozent von rückläufigen Aufträgen. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Entwicklung jedoch schwach: Damals hatten noch 21,6 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge gemeldet. Besonders ungünstig entwickelte sich die Auftragslage bei den industriellen Zulieferern sowie im Bauhauptgewerbe.
Der durchschnittliche Auftragsbestand lag zum Ende des zweiten Quartals bei 8,6 Wochen und damit nahezu auf dem Niveau des Vorquartals. Gegenüber dem Höchststand von 12,1 Wochen im zweiten Quartal 2024 ist die Auftragsreichweite jedoch deutlich zurückgegangen.
Umsatzentwicklung verbessert sich leicht, Einkaufspreise steigen
Auch die Umsatzentwicklung fiel saisonal bedingt leicht günstiger aus als zu Jahresbeginn. Aber das Niveau blieb insgesamt schwach. Besonders häufig meldeten Betriebe des Nahrungsmittelgewerbes Umsatzrückgänge. Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe fiel der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Umsätzen dagegen geringer aus.
Die durchschnittliche Betriebsauslastung stieg gegenüber dem ersten Quartal um 2,6 Prozentpunkte auf 76,3 Prozent. Sie lag damit jedoch weiterhin 3,9 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahresquartals. Die höchste Auslastung verzeichnete das Ausbaugewerbe mit durchschnittlich 80,1 Prozent. In den Handwerken für den privaten Bedarf lag die Auslastung mit durchschnittlich 65,1 Prozent deutlich niedriger.
Nachdem sich der Preisauftrieb im vergangenen Jahr abgeschwächt hatte, sind die Einkaufspreise zuletzt wieder stärker gestiegen. 67 Prozent der Betriebe meldeten höhere Aufwendungen für Energie, Vorprodukte, Material und Rohstoffe, auch eine Folge der geopolitischen Unsicherheiten. Nur wenige Betriebe passen hingegen ihre Verkaufspreise an.
Betriebe blicken zurückhaltend auf das zweite Halbjahr
Deutlich eingetrübt haben sich die Erwartungen für die kommenden Monate. Nur noch 13,3 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. Im ersten Quartal waren es noch 22,6 Prozent. Knapp jeder fünfte Betrieb erwartet eine Verschlechterung. Rund zwei Drittel gehen von einer unveränderten Entwicklung aus. Auch bei der zukünftigen Nachfrage ist die Zuversicht gesunken. Während im ersten Quartal noch 23,0 Prozent der Betriebe mit einer steigenden Nachfrage gerechnet hatten, sind es aktuell nur noch 13,8 Prozent. Zurückhaltend bleiben auch die Investitionsabsichten.
»Für das zweite Halbjahr zeichnet sich derzeit keine konjunkturelle Belebung ab. Die schwachen Erwartungen bei Nachfrage, Investitionen und Geschäftslage deuten eher auf eine weitere Eintrübung hin. Wir brauchen ein schnelles und aktives Eingreifen der Politik und damit spürbare Entlastungen für unsere Betriebe, um verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen«, betonte Limbacher abschließend.