Frühjahrsbelebung im Handwerk bleibt aus
Die übliche Frühjahrsbelebung ist im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk ausgeblieben. Die Geschäftslage wird sogar schlechter beurteilt als im Winterquartal. Auch die meisten anderen Konjunkturindikatoren zeigen eine rückläufige Entwicklung.
»Unsere aktuelle Frühjahrsumfrage zeigt, dass viele Betriebe unter der rückläufigen Nachfrage und den steigenden Energie- und Einkaufspreisen leiden«, so Frank Dittmar, Präsident der Handwerkskammer Kassel. »Es ist zu befürchten, dass die geopolitischen Spannungen die Kosten in den kommenden Monaten weiter nach oben treiben werden und sich die Lage im Handwerk weiter verschlechtern könnte.«
Nur noch 32 Prozent der Betriebe berichten im Berichtszeitraum von einer guten Geschäftslage. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im Jahr 2020 während der Corona-Krise verzeichnet. Jeder fünfte Betrieb (20,2 Prozent) bezeichnet die Lage als schlecht. Zum Vergleich: Im Winterquartal 2025 bewerteten 37 Prozent ihre Lage als gut und lediglich 15,5 Prozent als schlecht. Die Erwartungen an das kommende Quartal sind besser als es die übrigen Umfragedaten erwarten ließen, jedoch ist insgesamt nur verhaltener Optimismus erkennbar. Demzufolge ist der Geschäftsklimaindex gegenüber dem Winterquartal um 2,3 Punkte auf 107,3 Punkte gesunken (Vorjahr: 110,5 Punkte), was auf eine anhaltende konjunkturelle Schwäche hindeutet.
Die Lage in den einzelnen Gewerken entwickelte sich unterschiedlich: In den Nahrungsmittelhandwerken und im persönlichen Dienstleistungsgewerbe überwiegen negative Lagebewertungen. Im Ausbaugewerbe gibt es die meisten positiven Stimmen, im Kraftfahrzeuggewerbe gibt es ein gemischtes Bild: Der Fahrzeugverkauf ist deutlich gedämpft, während das Werkstattgeschäft gut ausgelastet ist. Zurückgehende Zufriedenheitswerte zeigen sich im Bauhauptgewerbe und auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf stehen durch die rückläufige Industrienachfrage zunehmend unter Druck.
Auch die Auftragslage hat sich spürbar verschlechtert. Nur noch 13 Prozent der Betriebe melden steigende Aufträge (Vorjahresquartal: 21 Prozent), während 32,2 Prozent Rückgänge verzeichnen. Die Umsatzentwicklung verlief ebenfalls gegen den saisonüblichen Trend: 34,9 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Kassel verzeichnen Umsatzrückgänge und nur 15,4 Prozent konnten ihre Umsätze im Berichtsquartal steigern.
Infolgedessen hat sich die durchschnittliche Betriebsauslastung weiter reduziert und sank binnen Jahresfrist um 3,1 Prozentpunkte auf 73,7 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit einer Auslastung von höchstens 60 Prozent stieg binnen Jahresfrist von 21 auf 32 Prozent. Andererseits geben 10 Prozent der Betriebe an, über Ihrer Kapazitätsgrenze zu arbeiten.
Große Problem sehen die Betriebe in den stark gestiegenen Einkaufspreisen: Während Ende Dezember noch 54,4 Prozent von gestiegenen Einkaufspreisen betroffen waren, sind es aktuell wieder 71,8 Prozent der Befragten. Besonders häufig berichten Betriebe aus dem Nahrungsmittel- und dem Bauhauptgewerbe von steigenden Preisen – also dort, wo Energiekosten eine zentrale Rolle spielen.
Die Geschäftserwartungen für das kommende Quartal fallen insgesamt verhalten aus: Nur noch 22,6 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung der Lage, während 19,5 Prozent eine weitere Verschlechterung erwarten. Auch die Erwartungen bei Aufträgen und Umsätzen lassen keine spürbare Wende erkennen.
»Wir brauchen jetzt ein schnelles Eingreifen der Politik und damit spürbare Entlastungen für unsere Betriebe, konkret: wettbewerbsfähige Energiekosten, weniger Bürokratie und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Ohne entsprechende Maßnahmen droht ein weiterer Abwärtssog der konjunkturellen Entwicklung«, betonte Dittmar abschließend.