© Mediamodifier

10.02.2020

Konjunkturbilanz 2019

»Die Jahresbilanz 2019 fällt für das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk positiv aus, die gute Binnennachfrage hat für einen kräftigen Umsatzschub gesorgt.« Vizepräsident Frank Dittmar

»Die Jahresbilanz 2019 fällt für das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk positiv aus, die gute Binnennachfrage hat für einen kräftigen Umsatzschub gesorgt: Nach vorläufigen Berechnungen haben die Betriebe im Kasseler Kammerbezirk insgesamt 9,6 Milliarden Euro umgesetzt, das sind 460 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Umsatzwachstum beträgt damit 5 Prozent und liegt über unserer Prognose vom Jahresanfang (+ 3,5 Prozent)«, kommentiert Vizepräsident Frank Dittmar die Konjunkturbilanz 2019. Ein Beschäftigtenplus ist leider nicht zu verzeichnen. Am Jahresende 2019 waren insgesamt 92.200 Menschen im Kammerbezirk Kassel beschäftigt.

Trotz der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft 2019 nur knapp einer Rezession entgangen ist und sich die weltwirtschaftlichen Handelskonflikte weiter fortsetzen, erwartet das Handwerk eine Beibehaltung der guten Konjunktur, wenn auch mit nachlassender Dynamik. »Für 2020 gehen wir von einem weiteren Umsatzwachstum in Höhe von 3,5 Prozent aus, was insbesondere vom Bauhaupt- und Ausbaugewerbe getragen wird. Die Binnennachfrage wird auch in diesem Jahr auf hohem Niveau bleiben, insbesondere davon werden unsere Handwerksbetriebe weiterhin profitieren, nur punktuell lassen sich kleine Dämpfer erkennen«, so Dittmar in seiner Stellungnahme.

Die Stimmung in den Betrieben war über das gesamte Jahr hinweg von hoher Zufriedenheit gekennzeichnet. Im Jahresschnitt betrachteten 90,5 Prozent der Betriebsinhaber ihre Geschäftslage als »gut« oder »befriedigend«. Im starken Vorjahr lag dieser Wert noch um 1,3 Prozentpunkte niedriger. Die Geschäfte laufen in den Handwerksbetrieben nun bereits im neunten Jahr in Folge außerordentlich gut.

Allerdings sind die geäußerten Geschäftserwartungen seit Jahresmitte etwas abgesackt, so dass der Geschäftsklimaindex ein neues Rekordhoch verfehlte. Im Jahresmittel lag der Index bei 117,4 Punkten, im Vorjahr waren es durchschnittlich 3,4 Punkte mehr. Die etwas nachlassende Dynamik der Konjunktur wird hier deutlich. Die Betriebsinhaber sind hinsichtlich der weiteren Entwicklung zwar etwas skeptischer geworden, bleiben aber insgesamt zuversichtlich. Insgesamt 82 Prozent der befragten Handwerksbetriebe erwarten eine bessere bzw. gleichbleibende geschäftliche Situation. Auch der Zufluss neuer Bestellungen unterstreicht die etwas vorsichtigere Haltung: Seit Mitte des Jahres sind die Auftragseingänge leicht nach unten gerichtet.

Mit 81,1 Prozent Kapazitätsauslastung hat das Handwerk im Kammerbezirk Kassel den bisherigen Topwert des Jahres 2019 um 0,3 Prozentpunkte steigern können. Dieser zeitnah reagierende Konjunkturindikator zeigt die Stärke der aktuellen Konjunktur im Handwerk. Die Personalengpässe der Betriebe wurden durch weitere Kapazitätserhöhungen kompensiert. Auch die durchschnittliche Auftragsreichweite war weiter gestiegen und lag im Jahresdurchschnitt bei 9 Wochen (Vorjahr: 8,7 Wochen).

Konjunkturlokomotive blieben die Betriebe des Bauhaupt- und des Ausbaugewerbes. Die Meldungen zur Geschäftslage, zum Umsatz und zu Auftragsreserven waren wie schon im Vorjahr auf Rekordniveau, allerdings arbeiten viele der Betriebe am Rand ihrer Kapazitäten, so dass zunehmend längere Wartezeiten für die Kunden entstehen. Auch die Gesundheitshandwerke und die Nahrungsmittelhandwerke waren mit dem Jahresverlauf mehr als zufrieden, während die industriellen Zulieferer seit Jahresmitte eine deutliche Abkühlung erfahren mussten. Skeptisch zeigt sich das Kfz-Gewerbe. Die anhaltende Diskussion um das zukunftsfähige Auto erschwert die Situation in vielen Betriebe. Die Investitionszurückhaltung der Industrie trifft auch das Handwerk.

Hauptproblem bleibt auch 2020 die Suche nach qualifizierten Fachkräften in vielen Handwerksbranchen. Das hohe Wachstum bei gleichzeitiger Beschäftigtenstagnation bringt zunehmend mehr Betriebe an ihre Grenzen.

Weiter gestiegen ist die Zahl der Handwerksbetriebe. Im Jahresverlauf ergab sich ein Plus von 336 Betrieben (+ 2,1 Prozent), so dass die Gesamtzahl jetzt bei 16.610 Betrieben liegt. Während die zulassungspflichtigen Handwerke, zu deren Ausübung grundsätzlich die Meisterprüfung erforderlich ist, weiter zurückgegangen sind (- 60 Betriebe bzw. 0,6 Prozent), gab bei den zulassungsfreien Handwerken, die ohne handwerklichen Qualifikationsnachweis ausgeübt wer-den dürfen, eine sehr deutliche Zunahme um 303 Betriebe (+ 8,1 Prozent). Das starke Wachstum ist auf die geplante Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken zu zurückzuführen und wird sich im diesem Jahr nicht wiederholen. Auch die handwerksähnlichen Gewerbe haben um 93 Betriebe bzw. 4,0 Prozent zugelegt.

 

Die gesamte Konjuntkurbilanz mit Grafiken steht zum Download bereit.