© Andreas Fischer

07.11.2019

Volle Auftragsbücher, aber Erwartungen trüben sich ein

Während sich die Stimmung in den letzten Monaten etwas eingetrübt hat, bleibt die Auftragslage auf hohem Niveau.

„Während sich die Stimmung in den letzten Monaten etwas eingetrübt hat, bleibt die Auftragslage in den nord-, ost- und mittelhessischen Handwerksbetrieben auf hohem Niveau. Auch die Umsätze sind in den letzten drei Monaten weiter gewachsen, wenn auch mit weniger Dynamik als in den Vergleichsquartalen der Vorjahre. Die globale Konjunkturschwäche, die Handelskonflikte und die endlose Brexit-Debatte scheinen nun langsam auch im Handwerk anzukommen. Insbesondere die zukünftigen Geschäftsbeurteilungen sind schlechter als vor Jahresfrist, aber auch die harten Konjunkturindikatoren verlieren an Schwung“, kommentierte der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel, die aktuelle Herbstumfrage. „Dennoch sind wir zufrieden, auch wenn sich das etwas schwächere Konsumklima insbesondere im Kfz-Gewerbe langsam bemerkbar macht. Nach einer fast 10-jährigen Phase mit stetigem Wachstum, scheint sich die Auftragslage im Gesamthandwerk nun wieder zu beruhigen“, so Gringel in seiner Analyse.

Im Befragungszeitraum Juli bis September waren 91,2 Prozent der Befragungsteilnehmer mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden. Davon bewerten 48,6 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“, weitere 42,6 Prozent mit „befriedigend“. Gegenüber dem letzten Herbstquartal sind das leichte Verschlechterungen der Lageeinschätzung. Die Geschäftserwartungen der Betriebe gingen dagegen deutlicher nach unten: Für die kommenden drei Monate erwarten 9,3 Prozent eine weitere Verbesserung der Lage (Vj.: 15,7 Prozent) und 16,6 Prozent befürchten einen Rückgang ihrer geschäftlichen Situation (Vj.: 11,3 Prozent). Der Geschäftsklimaindex im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk gibt damit erheblich nach. Mit aktuell 113,8 Punkten lag das Minus bei immerhin 8,3 Punkten gegenüber dem Herbstwert des Vorjahres. „Die Zahlen machen deutlich, dass sich die Konjunktur aktuell an einem Wendepunkt befindet und wir uns langsam wieder auf normale Zeiten einstellen müssen, der private Verbrauch wird aber auch weiterhin die wichtigste Konjunkturstütze bleiben“, kommentierte Gringel diese Zahlen.

Bau zufrieden, Kfz-Gewerbe spürt rückläufige Konjunktur

Das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe hat gegenüber den sehr starken Vorjahresergebnissen zwar Federn lassen müssen, doch bleibt die Auftragslage sehr robust und die Betriebe erwarten auch ein gutes Schlussquartal. Sehr stark präsentieren sich die Lebensmittel- und die Gesundheitshandwerke. Beide Gruppen profitieren von deutlichen Umsatzsteigerungen und damit einer sehr guten Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage. Ungünstig stellt sich die Situation im Kfz-Handwerk dar, zunehmend mehr Betriebe klagen über schlechte Geschäfte und fast jeder zweite Betrieb muss rückläufige Umsätze verkraften.

Kundenwartezeiten bleiben hoch, Ordereingänge gehen zurück

AktueIl beträgt die durchschnittliche Auftragsreichweite in den Betrieben 8,7 Wochen, das ist gegenüber dem Vorjahr sogar noch ein leichtes Plus von 0,2 Wochen. Die Betriebe aus dem Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sind noch stärker ausgelastet (11,9 bzw. 10 Wochen), so dass die Betriebe bis Jahresende gut zu tun haben. Die Ordereingänge, ein wichtiger Frühindikator der konjunkturellen Entwicklung, sind gesunken, was typisch für die Jahreszeit ist. Der Rückgang ist allerdings stärker als für die Jahreszeit üblich, ebenfalls ein Zeichen für eine Trendwende der konjunkturellen Entwicklung.

Die Umsätze sind im Berichtsquartal weiter gewachsen, wenn auch die Dynamik nachgelassen hat: 24 Prozent der Handwerksbetriebe konnten ihren Umsatz weiter steigern, während 14 Prozent sinkende Erlöse beklagen. „Für das gesamte Jahr 2019 erwarten wir ein Umsatzwachstum von drei Prozent. Diese zum Jahresanfang gemachte Prognose bleibt weiterhin bestehen und das sollten wir auch erreichen“, ergänzte Gringel die aktuelle Entwicklung. Die durchschnittliche Betriebsauslastung bleibt auf Spitzenniveau (81 Prozent), der Rekordwert des Vorjahres (82,3 Prozent) wurde hingegen verfehlt.

Den vollständigen Konjunkturbericht mit verschiedenen Grafiken ist hier zu finden.