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18.09.2019

Bauen darf nicht immer teurer werden

Baugewerbeverband und Handwerkskammern ziehen an einem Strang

Die Nachfrage nach Wohnraum, aber auch der gewerbliche und industrielle Bau entwickeln sich in Hessen weiter gut. Die Bauwirtschaft bleibt eine Zugmaschine für die hessische Handwerkskonjunktur. Gleichzeitig leidet das Baugewerbe unter einem gravierenden Fachkräftemangel – sowohl bei Auszubildenden als auch bei qualifizierten Mitarbeitern. Dass zu wenig bezahlbarer Wohnraum gebaut wird, ist dennoch nicht der guten Auftragslage im Baugewerbe anzulasten, sind sich der hessische Baugewerbeverband und die Handwerkskammern einig:

"Es fehlen gerade im Ballungsraum Rhein-Main, aber auch in den Städten Mittel- und Nordhessens ausreichend geeignete Flächen. Die Kommunen sind zu zögerlich beim Ausweisen des dringend benötigten Baulandes", analysiert Präsident Frank Dittmar vom hessischen Baugewerbeverband.

Heinrich Gringel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern führt aus: "Hinzu kommt, dass staatliche Vorgaben das Bauen immer teurer machen. Das gilt z. B. für das Planungsrecht, energetische Vorgaben, Stellplatzsatzungen oder bürokratische Anforderungen im Steuer- und Arbeitsrecht."

Ein besonders akutes Problem stellen die massiv gestiegenen Kosten für Bauabfälle, speziell für Erdaushub dar. Es fehlen geeignete Deponieflächen in Hessen, so dass das Material ‑ auch ökologisch unsinnig ‑ z. B. nach Thüringen oder bis in die Niederlande transportiert werden muss. Bauverbände, Kammern und weitere Institutionen weisen seit Jahren auf diese Problematik hin, ohne dass sich hier eine Lösung abzeichnet. "Helfen würde zudem die Senkung der Grund- und Grunderwerbsteuer und eine angemessene Nachverdichtung innerstädtischer Bereiche", sehen die beiden Präsidenten die Politik auch bei anderen Themen in der Pflicht.

Auch bei weiteren Forderungen an die Landespolitik zeigten sich Baugewerbeverband und Handwerkskammern einig. Bei der anstehenden Neufassung des Hessischen Vergabe- und Tariftreuegesetzes sollten die bestehenden Vergabefreigrenzen für die Kommunen verpflichtend werden. Die personell ausgedünnten Bauämter müssten wieder ertüchtigt und professionalisiert werden, damit die kommunale Auftragsvergabe zügig und möglichst im regionalen Umfeld erfolgt.

Zudem muss die Bekämpfung der Schwarzarbeit und unberechtigten Handwerksausübung deutlich intensiviert werden. Die Kontrollen der Kommunen und kreisfreien Städte sind personell unzureichend ausgestattet und die verhängten Bußgelder zu niedrig, um illegale Konkurrenz abzuschrecken. Sinnvoll erscheint aus Sicht der Kammern und des Bauverbandes, dass alle Bußgelder auch bei Einsprüchen bei den Kommunen verbleiben und nicht an das Land abgeführt werden müssen. Dies würde den Verfolgungsdruck deutlich steigern.

Ein weiteres Thema des Gesprächs zwischen Kammern und Verband war die Digitalisierung des gesamten Bauprozesses von der Planung über den Bau bis zur Wartung und Pflege. Diese unter dem Begriff "BIM – Building Information Modeling" zusammengefasste Verfahrensweise gewinnt zunehmend an Bedeutung, muss aber unbedingt so ausgestaltet werden, dass auch kleine Betriebe nicht finanziell und inhaltlich überfordert werden und in die Rolle von Subunternehmern zurückgedrängt werden. Ihre Mitgliedsbetriebe hierbei zu unterstützen, sehen die Handwerkskammern und der Verband baugewerblicher Unternehmen als wichtige Zukunftsaufgabe.