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19.09.2018

Handwerk trauert um Ehrenpräsident Richard Wurbs

"Seine vielfältigen Aktivitäten in Nord-, Ost- und Mittelhessen sowie darüber hinaus machen deutlich, wie groß und unermüdlich sein Einsatz für das Handwerk und dessen Organisationen war", so Kammerpräsident Heinrich Gringel.

Das Handwerk in Nord-, Ost- und Mittelhessen trauert um Richard Wurbs. Der Ehrenpräsident der Handwerkskammer Kassel verstarb am 7. September im Alter von 98 Jahren. Die Ämter, die er bekleidete waren zahlreich, seine Verdienste ebenso. In seiner langen Laufbahn war der gebürtige Kasseler zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks sowie zum Präsidenten der Handwerkskammer Kassel gewählt worden.

Kammerpräsident Heinrich Gringel würdigte den engagierten Bauunternehmer, der sich Jahrzehnte lang nicht nur in der Handwerksorganisation, sondern auch in der Politik für den Mittelstand stark gemacht hatte. „Richard Wurbs war bereit, in der Selbstverwaltung des Handwerks Verantwortung zu tragen. In der Politik setzte er sich vor allem für den Mittelstand ein, in dem er die Grundlage für die wirtschaftliche und damit die politische wie gesellschaftliche Stabilität sah.“ Vor allem dieser Dreiklang aus Unternehmertum, Handwerksorganisation und Politik haben die besondere Qualität seines Engagements ausgezeichnet.

1949 legte Richard Wurbs nicht nur seine Meisterprüfung im Maurerhandwerk ab, sondern schloss auch sein Ingenieurstudium, Fachrichtung Hochbau, ab. Von 1971 bis 1989 führte er das 1895 gegründete elterliche Baugeschäfts in Kassel.

Sein ehrenamtliches Engagement für die Handwerksorganisation begann 1956 mit seiner Wahl in den Vorstand des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen. Die Vollversammlung der Handwerkskammer Kassel wählte den Bauingenieur 1964 zum Präsidenten der Kammer, ein Amt, das er 25 Jahre innehatte. Von 1979 bis 1989 war er auch Präsident des Hessischen Handwerkstages und des Hessischen Handwerkskammertages sowie Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern.

Weiter engagierte sich der Liberale auch in der Politik, seine Heimat fand er in der FDP. Mitglied der Stadtverordnetenfraktion in Kassel war er von 1960 bis 1968. Bereits 1965 war er in den Deutschen Bundestag gewählt worden, dessen Vizepräsident er von 1979 bis 1984 war. Die Themen, die ihn im Bundestag vor allem beschäftigten, waren die Kommunalpolitik, Raumordnung, Städtebau und Wohnungswesen. Sein Bekenntnis zum Mittelstand als unentbehrliche Voraussetzung für politische und ökonomische Stabilität trug ihm die Leitung des Arbeitskreises Wirtschaft und Finanzen (1977 bis 1980) und die der Arbeitsgruppe Mittelstand der FDP-Bundestagsfraktion (1981 bis 1984) ein. Er wurde bekannt durch seine Vorschläge zur Reform der Wohnungsbauförderung. Seine Stärke lag in der Vermittlung widerstreitender Interessen und in seinem Bemühen um Kompromisse.

Vielfältig und umfangreich waren nicht nur seine Ämter, sondern auch die Auszeichnungen, die er für seinen Einsatz erhielt: 1970 das Handwerkszeichen in Gold der Handwerkskammer Kassel und die Carl-Schomburg-Plakette der Stadt Kassel, 1980 die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen, 1982 den Goldenen Ehrenring des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. 1984 wurde ihm das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 2010 ernannte Kassel Wurbs zum Ehrenbürger, der höchsten Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat.

Die Handwerkskammer Kassel ehrte ihn nach 25-jähriger Präsidentschaft 1989 mit der Wahl zum Ehrenpräsidenten. Bereits 1985 hatte ihn die Vollversammlung der Kammer mit dem Ehrenring ausgezeichnet. Weiter war Richard Wurbs auch Ehrenpräsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern.

„Seine vielfältigen Aktivitäten in Nord-, Ost- und Mittelhessen sowie darüber hinaus machen deutlich, wie groß und unermüdlich sein Einsatz für das Handwerk und dessen Organisationen war“, so Gringel. „Wenn man von Richard Wurbs eines mit Fug und Recht sagen kann, dann, dass das Handwerk ein bedeutender Teil seines Lebens war.“