Rolph Limbacher ist neuer Präsident der Handwerkskammer Kassel
Die Vollversammlung der Handwerkskammer Kassel hat Friseurmeister Rolph Limbacher zum neuen Präsidenten gewählt. Der Marburger folgt auf Frank Dittmar und setzt für die kommenden Jahre auf Kontinuität, Zusammenhalt und eine starke Interessenvertretung für die Handwerksbetriebe der Region.
Rolph Limbacher ist neuer Präsident der Handwerkskammer Kassel. Die Vollversammlung wählte den 61-jährigen Friseurmeister am Dienstag, 9. Juni, mit großer Mehrheit in das höchste Ehrenamt des regionalen Handwerks. Damit steht erstmals ein Marburger an der Spitze der Handwerkskammer, die die Interessen von mehr als 17.800 Betrieben in Nord-, Ost- und Mittelhessen vertritt. Limbacher kündigte an, den erfolgreichen Kurs der vergangenen Jahre fortsetzen zu wollen, um die Kammer und ihre Mitgliedsbetriebe bestmöglich durch herausfordernde Zeiten zu steuern. Er setzt dabei auf einen starken Zusammenhalt: »Unsere Ziele erreichen wir dann am besten, wenn wir als Handwerksfamilie gemeinsam an einem Strang ziehen.«
Rolph Limbacher folgt auf Frank Dittmar, der sich – wie im Vorfeld angekündigt – nach fünf Jahren Präsidentschaft aus der ersten Reihe zurückzog. Der Guxhagener Bauunternehmer wurde von der Vollversammlung als Vizepräsident gewählt. Er sei gern bereit, weiterhin Verantwortung zu übernehmen, um die Zukunft der Kammer und des regionalen Handwerks mitzugestalten, so Dittmar. Er bleibt zudem Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern.
Mit der Wahl setzt das Handwerksparlament für die verbleibenden drei Jahre der Wahlperiode auf Kontinuität und Erfahrung. Rolph Limbacher engagiert sich seit über 20 Jahren auf verschiedenen Ebenen der Handwerksorganisation. Seit 2014 ist er Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Kassel, seit 2021 gehört er als Vizepräsident der Arbeitgeberseite dem Präsidium an. In seiner neuen Spitzenfunktion wird er weiterhin mit Frank Dittmar zusammenarbeiten, der seit 2009 im Vorstand und seit 2019 im Präsidium engagiert ist. Komplettiert wird das Präsidium durch Horst Zahn, der seit 2014 Vizepräsident der Arbeitnehmerseite ist.
Rolph Limbacher würdigte das herausragende Engagement seines Vorgängers: »Frank Dittmar hat als Präsident Maßstäbe gesetzt. Sein unermüdlicher Einsatz für das Handwerk war stets von den Interessen der Betriebe und dem Ziel geprägt, die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln zu verbessern«, sagte Limbacher. »Mit seiner Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und seiner besonderen Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, hat er sich während seiner Amtszeit in vorbildlicher Weise für das Wohl des Handwerks eingesetzt.« Als Anerkennung für sein langjähriges Engagement in der Handwerksorganisation erhielt der 64-jährige Bauunternehmer die Goldene Ehrennadel – die höchste Auszeichnung der Handwerkskammer Kassel.
In seiner letzten Rede als Präsident hatte Dittmar von »alarmierenden Signalen« angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung gesprochen. Im jüngsten Frühjahrskonjunkturbericht der Handwerkskammer, in dem üblicherweise ein Aufschwung nach der kalten Jahreszeit erfolgt, bewerteten die Betriebe die Geschäftslage erstmals schlechter als im Winterquartal – und nahezu so schlecht wie in der Hochphase der Coronapandemie. Von einer vorübergehenden Flaute könne keine Rede mehr sein, betonte Dittmar. »Wachstum ist seit Jahren Fehlanzeige. Wir befinden uns in einer veritablen Wirtschaftskrise, die sich noch erheblich auszuweiten droht.« Eine Trendwende sei weiterhin nicht in Sicht. Denn nicht nur die widrigen weltpolitischen Umstände, sondern vor allem strukturelle Probleme am Standort Deutschland bremsten die wirtschaftliche Entwicklung.
Dittmar forderte umfassende Reformen und eine spürbare Entlastung der Betriebe bei Bürokratie, Steuern und Abgaben. Insbesondere die aus dem Ruder laufenden Lohnzusatzkosten seien für das personalintensive Handwerk ein großes Problem. Die wertvolle Arbeit der Betriebe werde durch steigende Sozialversicherungsbeiträge immer weiter verteuert. Hinzu kämen hohe Energie- und Materialpreise. Wenn die Entwicklung so weiter gehe, könnten sich viele Haushalte keine Handwerker mehr leisten, warnte Dittmar. »Die Folge: Schwarzarbeit nimmt zu, das Handwerk verliert, der Staat verliert.« Der Veränderungsdruck sei auf allen Ebenen hoch, so der scheidende Kammerpräsident. Von der Bundesregierung erwarte das Handwerk endlich einen Ruck bei den Reformen. »Wir können uns keinen Tag Stillstand mehr leisten.«
Bereits zu Beginn der Vollversammlung hatte Dittmar drei inzwischen ausgeschiedene Mitglieder für ihr langjähriges Engagement geehrt. Mit der Silbernen Ehrennadel wurde Walter Fehr (Metallbaumeister, Trendelburg) ausgezeichnet, der seit 2009 dem Handwerksparlament angehörte. Eine Goldene Ehrennadel erhielt Peer Asser (Maurer, Korbach), der als Arbeitnehmervertreter mehr als 20 Jahre lang dem Vorstand der Handwerkskammer angehörte. Mit der Ehrennadel in Gold wurden zudem die Verdienste von Alexandra Kaske-Diekmann (Friseurmeisterin, Kassel) gewürdigt. Sie war rund 20 Jahre lang Obermeisterin der Friseur-Innung, engagierte sich als Kreishandwerksmeisterin sowie in Vollversammlung, Vorstand und mehreren Ausschüssen der Handwerkskammer.
Als neues Vorstandsmitglied wählte die Vollversammlung Uwe Loth aus Vellmar, der auch Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Kassel sowie Landesinnungsmeister des SHK-Fachverbands Hessen ist.
Zudem genehmigte die Vollversammlung die Jahresrechnung der Handwerkskammer Kassel für 2025, die Hauptgeschäftsführer Jürgen Müller vorlegte. Die statistischen Eckdaten, die er darüber hinaus präsentierte, verdeutlichten die Bedeutung der »Wirtschaftsmacht von nebenan«: Die Zahl der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk stieg im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 17.856. Insgesamt erwirtschafteten sie einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro. Mit 101.300 Beschäftigten ist das überwiegend klein- und mittelständisch geprägte Handwerk in seiner Gesamtheit zudem ein bedeutender Arbeitgeber in der Region.