Frühjahrs-Konjunkturumfrage 2024

Handwerkskonjunktur stagniert: Rückläufige Umsätze und sinkende Ordereingänge belasten Baubetriebe

© Detlev Müller

Das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk blickt recht verhalten in die Zukunft. Im Berichtsquartal ist die Handwerkskonjunktur nach wie vor von der schwachen Baunachfrage und der trüben gesamtwirtschaft-lichen Entwicklung geprägt. Der Geschäftsklimaindex ist im Vergleich zum Winterquartal 2023 lediglich leicht um 1,3 Punkte auf einen Wert von 107,2 Punkten gestiegen. Die zu dieser Jahreszeit üblichen positiven saisonale Effekte blieben aus. Auch im Langzeitvergleich (112,9 Punkte) ist das Niveau recht niedrig.

»Während des Befragungszeitraums von Januar bis März bewerten 36,3 Prozent (Vorquartal: 42,7 Prozent) der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage als gut und 44,7 Prozent (VQ: 40,9 Prozent) als befriedigend. Fast jeder fünfte der Befragten (18,9 Prozent) gibt der Geschäftslage hingegen eine schlechte Note. Das sind 3,5 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Insbesondere das Baugewerbe blickt mit viel Skepsis auf die aktuelle und zukünftige Lage, die von Umsatzeinbußen und rückläufigen Auftragseingängen geprägt ist«, erklärte Kammerpräsident Frank Dittmar bei der Vorstellung der aktuellen Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Kassel.

Die gesamtwirtschaftliche Stagnation habe sich trotz abflachender Inflation auch im Handwerk weiter ausgebreitet. Konjunkturelle Impulse seien nicht zu erwarten, das machten die Ergebnisse der Umfrage ebenfalls deutlich, fuhr Dittmar fort.

Stützend wirken nach wie vor die in den Vorjahren aufgebauten hohen Auftragsbestände, aber auch die schmelzen insbesondere im Baugewerbe langsam ab. Geplante Investitionen werden infolge sinkender Auftragsbestände zurückgestellt.

Über alle Branchen hinweg wird die Geschäftslage von 81,1 Prozent (Vorquartal: 83,6 Prozent) der Befragten mit gut und befriedigend be-wertet. Insbesondere der Anteil der »gut«-Meldungen ist trotz der erwarteten Frühjahrsbelebung zurückgegangen. Bei den Bau- und Ausbau-handwerken hat sich die Beurteilung der Geschäftslage am deutlichsten reduziert. Von den Betrieben des Bauhauptgewerbes, wie Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker oder Straßenbauer, berichten 20,3 Prozent über eine schlechte Geschäftslage, vor drei Monaten waren es noch 5,1 Prozent, was insbesondere durch den Einbruch im Neubaubereich verursacht wurde. Bei den Betrieben im Ausbaugewerbe wie Tischler, Maler, Installateure und Heizungsbauer, ist die Geschäftslage insgesamt gut, aber auch hier geht der Trend nach unten. Im Lebensmittelgewerbe (Fleischer, Bäcker, Konditoren) ist nach zwei schwierigen Jahren hingegen wieder eine Entspannung zu beobachten, bei den Kfz-Betrieben ist nach der Erholung der letzten Quartale hingegen wieder etwas Ernüchterung eingetreten. Überraschend positiv ist die Entwicklung bei den gewerblichen Zulieferern, bei denen die Bewertung der aktuellen Geschäftslage deutlich besser geworden ist.

Die Umsätze in den Betrieben haben sich im Berichtsquartal negativ entwickelt: Aktuell geben 15,7 Prozent (VQ: 24,1 Prozent) der Befragten an, dass die Umsätze gestiegen sind, 48 Prozent (VQ 42,1 Prozent) geben gleich hohe Umsätze gegenüber dem Vorquartal an, 36,3 Prozent (VQ 33,8 Prozent) müssen Umsatzeinbußen hinnehmen. Besonders stark ist der negative Umsatztrend im Bauhauptgewerbe, fast jeder zweite Betrieb musste einen Erlösrückgang verkraften.

Die Auslastung des Gesamthandwerks betrug Ende des Berichtsquartals durchschnittlich gute 77,7 Prozent. Das war weniger als vor drei Monaten (80,2 Prozent), ist aber ein insgesamt solider Wert. Allerdings berichtet ca. ein Drittel der Betriebsinhaber von Auslastungsquoten unter 70 Prozent.

Auch die Auftragsbestände zeigen im Berichtsquartal einen rückläufigen Trend. Die Auftragsreichweite bleibt dagegen kammerweit nahezu unverändert und liegt bei 10,4 Wochen, im Vorjahr lag dieser Wert bei 10,8 Wochen. Das alles hat Auswirkungen auf die Beschäftigtensituation, 18,5 Prozent aller Betriebe haben bis Ende März weniger Personal beschäftigt, während 8,2 Prozent Einstellungen vorgenommen haben.

»Unser Handwerk hat sich in Krisenzeiten immer als äußerst robust gezeigt. Doch deutet im Moment einiges darauf hin, dass es für die Betriebe im Kammerbezirk Kassel kein leichtes Jahr wird. Das Wachstumschancengesetz sollte der Baukrise entgegenwirken, brachte aber nicht die erhofften Impulse. Die Politik muss daher weitere mutige Schritte gehen, nicht nur den beabsichtigen Bürokratieabbau umsetzen, auch muss ein mittelstandsorientiertes Wachstumspaket geschnürt werden und der strukturellen Reformstau muss aufgelöst werden«, so Dittmar abschließend.

Langversion der Konjunturumfrage zum Download