Ausbildungszahlen sind stabil, trotzdem sind verstärkte Anstrengungen nötig
»Wir müssen noch eine Schippe drauflegen und noch mehr tun, damit junge Menschen sich für eine duale Ausbildung im Handwerk entscheiden und dann auch dabeibleiben.« – Sabine Aue, Abteilungsleiterin Berufsbildung
Stabile Ausbildungszahlen weist das Handwerk in Nord-, Ost- und Mittelhessen auf. Im Ausbildungsjahr 2024/2025 haben im Bezirk der Handwerkskammer Kassel insgesamt 2727 junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk begonnen. Damit ist die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse nahezu unverändert zum Vorjahr (2752). Das minimale Minus von 25 Verträgen beziehungsweise 0,9 Prozent liege im Bereich normaler Schwankungen, da insbesondere kleine Betriebe nicht jedes Jahr neue Auszubildende einstellen, erläuterte Sabine Aue, Leiterin der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer.
Die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge verteilen sich auf 89 verschiedene Ausbildungsberufe – von A wie Augenoptiker:in bis Z wie Zimmerer / Zimmerin. Besonders gefragt waren die Ausbildungsberufe Kfz-Mechatroniker:in (431), Anlagenmechaniker:in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (272) und Elektroniker:in (268). Erfreulich sei die deutliche Zunahme an Auszubildenden zur Bäckerei-Fachverkäuferin/Fachverkäufer: Mit insgesamt 89 neu unterzeichneten Ausbildungsverträgen lag die Zahl deutlich über dem Vorjahreswert (54). Gerade in den Lebensmittelhandwerken gibt es seit Jahren Schwierigkeiten, genug Auszubildende zu finden.
Die stabilen Ausbildungszahlen seien angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bereits eine gute Nachricht, sagte Abteilungsleiterin Sabine Aue. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels gelte es aber, in den kommenden Jahren noch stärker in Ausbildung zu investieren, um den Bedarf an Arbeitskräften im Handwerk zu decken. »Wir müssen noch eine Schippe drauflegen und noch mehr tun, damit junge Menschen sich für eine duale Ausbildung im Handwerk entscheiden und dann auch dabeibleiben«, betonte sie. »Wir müssen noch besser zeigen, wie sinnstiftend eine Tätigkeit in einem unserer vielfältigen Ausbildungsberufe ist und wie vielfältig die Karrieremöglichkeiten im Handwerk sind.«
Die Handwerkskammer Kassel hat in den vergangenen Jahren bereits eine Vielzahl an Veranstaltungen und Formaten zur Berufsorientierung und zur passgenauen Besetzung von Ausbildungsstellen etabliert – vom Speeddating kurz vor Ausbildungsbeginn über einen »Tag des Ausprobierens« zum bundesweiten Tag des Handwerks bis zur individuellen Vermittlung zwischen Betrieben und ausbildungsinteressierten Jugendlichen. Hierfür ist zuletzt auch die digitale Ausbildungs- und Praktikumsbörse der Handwerkskammer modernisiert und zur Matching-Plattform ausgebaut worden, um Betriebe und junge Menschen noch unkomplizierter zusammenzubringen. Ausbildung und Praktika seien dabei in einem Atemzug zu nennen, sagte Sabine Aue. Denn das Praktikum sei für viele Schülerinnen und Schüler der entscheidende Faktor für die spätere Berufswahl. »Damit ist es nach wie vor das beste Mittel, um künftige Azubis für einen Beruf im Handwerk zu begeistern und an den eigenen Betrieb zu binden«, so Sabine Aue.
Sehr gute Erfahrungen machen die Handwerkskammer und die beteiligen Betriebe mit sogenannten Azubi-Boschafterinnen und -Botschaftern. Das sind Auszubildende aus dem Handwerk, die jungen Leuten bei Berufsorientierungsveranstaltungen, aber auch ungewöhnlichen Formaten wie einem Klettertraining von ihren Erfahrungen berichten, um das Interesse an einer Ausbildung im Handwerk zu wecken.
Wichtig, um eine Ausbildung im Handwerk zu ermöglichen, seien aber auch gute Rahmenbedingungen, betonte Sabine Aue: Dazu zählten dezentrale Berufsschulstandorte und ein guter ÖPNV im ländlichen Raum, damit Auszubildende die Wege zwischen Wohnort, Betrieb und Berufsschule in angemessenem Zeitraum bewältigen könnten.