Vollversammlung wählt Eberhard Bierschenk zum neuen Hauptgeschäftsführer
22.06.2012
Eberhard Bierschenk ist neuer Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Kassel. Die Vollversammlung wählte den Juristen einstimmig an die Spitze des Hauses, das er bereits seit Oktober 2011 kommissarisch führt. Der gebürtige Kasseler ist seit 1978 bei der Kammer beschäftigt. Zuvor hatte er nach seinem Jurastudium in Gießen die zweite juristische Staatsprüfung abgelegt. Zu den Stationen seiner Laufbahn in der Kammer gehören die Leitung des Bereiches Meisterprüfung sowie die stellvertretende Leitung der Abteilung Recht und Organisation, deren Führung er 1998 übernahm. Zwei Jahre später wurde er zum Geschäftsführer berufen, 2009 zum stellvertretenden Hauptgeschäftsführer.
„Die Stimmung in unseren Betrieben ist noch besser als im Vorjahr, der Optimismus, mit dem sie in den Sommer gehen, ist bemerkenswert.“ Kammerpräsident Heinrich Gringel berichtete der Vollversammlung, dass sich die gute Konjunkturentwicklung auch 2012 fortsetzt. Ein Wermutstropfen sei allerdings, dass nicht alle Branchen gleichermaßen von dieser Entwicklung profitierten. Während sich die Bauhandwerke, die industriellen Zulieferer und die Nahrungsmittelhandwerke ausgesprochen zufrieden zeigten, liefen die Geschäfte bei den Kfz-Handwerken, den Gesundheitshandwerken und den privaten Dienstleistern nicht so gut. „Dennoch gehen wir für dieses Jahr zurzeit davon aus, dass das Handwerk im Kammerbezirk ein Umsatzplus von zwei Prozent verzeichnen wird. Die Zahl der Beschäftigten werden die Betriebe wohl halten können.“
Geht es nach dem Handwerk, soll dazu auch die energetische Gebäudesanierung beitragen. Hier sieht Gringel sowohl großes Einsparpotenzial als auch Nachholbedarf, denn auf die Gebäude entfallen rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. „In den vergangenen Jahren ist in diesem Bereich schon einiges in Bewegung gekommen, doch das jetzige Tempo ist eindeutig zu gering.“ Um die von der Politik gesteckten energie- und klimapolitischen Ziele zu erreichen, müsse die Sanierungsrate im Gebäudebestand verdoppelt werden. „Deshalb ist auch in erster Linie die Politik gefordert“, so der Kammerpräsident. Gefragt sei ein kluger Instrumentenmix aus angemessenen ordnungsrechtlichen Vorgaben und nachhaltigen Förderanreizen.
Dazu setzt das Handwerk auf transparente, vereinfachte Förderstrukturen sowie auf die steuerliche Absetzbarkeit politisch gewollter Maßnahmen. „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Steuerabschreibungen und finanzielle Zuschüsse schnell wirksame Maßnahmen sind.“ Sie könnten dazu beitragen, dass die Energiewende endlich Fahrt aufnimmt. Die Umsetzung energieeffizienter Maßnahmen und der Einsatz alternativer Energien steigerten auch die regionalen Wirtschaftskreisläufe, schafften qualifizierte Ausbildung und Beschäftigung und stärkten damit die Region nachhaltig.
Als ausgesprochen erfreulich bezeichnete Gringel es, dass bereits Ende Mai sieben Prozent mehr Lehrverträge abgeschlossen worden seien als im Jahr zuvor. „Das zeigt, dass unsere Betriebe auf die demografische Entwicklung reagieren und ihre Bemühungen, um geeignete Nachwuchskräfte verstärken.“ Dennoch bleibe die Nachwuchs- und Fachkräftesicherung eine große Herausforderung für das Handwerk. „Es darf uns nicht passieren, dass unsere Betriebe in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung Schaden nehmen, weil ihnen die Fachkräfte fehlen.“ Deshalb müssten Wirtschaft und Politik gemeinsam alle möglichen Anstrengungen unternehmen, um jeden jungen Menschen in die Lage zu versetzen, mit einer Ausbildung zu beginnen.
Vor diesem Hintergrund begrüße das Handwerk das Modelprojekt „Qualifizierte Schulvorbereitung“ des hessischen Sozialministeriums. Die Kindergartenzeit für eine optimale Vorbereitung zu nutzen, sei angesichts der Probleme, die viele Kinder beim Übergang in die Schule hätten, dringend nötig. „Uns geht es aber darum, nicht nur Defiziten abzubauen, sondern auch mit der Berufsorientierung bereits im Kindergarten zu beginnen.“ So entstünden die Probleme, mit denen viele Betriebe heute in der Ausbildung konfrontiert werden, erst gar nicht, so Gringel.
Positiv fiel auch die Handwerksbilanz aus, die der Hauptgeschäftsführer für das Jahr 2011 präsentierte. So erhöhte sich die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge 2011 leicht von 2.929 auf 2.936. Als Zeichen für die Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk wertete er, dass die Zahl der Lehrlinge mit Abitur erneut angewachsen ist und jetzt bei 9 Prozent (7,7% in 2010) liegt. Auch die Zahl der Auszubildenden mit Mittlerer Reife legte leicht zu. „Langsam scheint sich unsere Nachwuchswerbung auszuzahlen, mit der wir seit Jahren konsequent die Vielfalt und Modernität des Handwerks in den Fokus rücken“, resümierte Bierschenk. Die Zahl der Fortbildungsprüfungen blieb mit 510 insgesamt stabil, allerdings verzeichnete die Kammer bei den Meisterprüfungen einen leichten Rückgang (von 558 auf 507).
Einen Anstieg vermeldete der Hauptgeschäftsführer auch bei der Anzahl der Handwerksbetriebe in Nord-, Ost- und Mittelhessen. Ende 2011 belief sich die Zahl der kammerzugehörigen Betriebe auf 16.042 Betriebe (15.825 in 2010), was einen Zuwachs von 1,4 Prozent bedeutet. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich von 85.800 auf 86.700, der von den Betrieben erwirtschaftete Umsatz wuchs von 7,6 auf 8 Milliarden Euro.
Der Jahresrechnung 2011, die die Vollversammlung einstimmig billigte, belief sich auf 9,4 Millionen Euro, ein Jahr zuvor hatte sie bei 9,1 Millionen Euro gelegen. „Die gute Wirtschaftslage der Betriebe spiegelt sich auch in unserem Haushalt wider. Den Zuwachs werden wir nutzen, um die für die nächsten Jahre geplanten und dringend notwendigen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen in unserem Bildungszentrum in Kassel zu finanzieren. Diese Investition kommt unseren Betrieben direkt zugute, denn so können wir auch künftig für sie ein Bildungsangebot auf modernstem Stand bereithalten“, sagte Bierschenk abschließend.
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