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05.06.2010

Mangel an statistischen Daten über das Handwerk

Die Abbildung des Handwerks in der Statistik ist derzeit nicht zufriedenstellend. Dies ist ein zentrales Ergebnis eines Seminars, welches das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) vor knapp 30 Mitarbeitern von Handwerkskammern und handwerklichen Fachverbänden durchgeführt hat. Die dreitägige Veranstaltung fand Mitte Oktober in der Handwerkskammer Wiesbaden statt.

Das Ziel des Seminars lag primär darin, sich einen Überblick über die verschiedenen für das Handwerk existierenden Datenquellen zu verschaffen, wobei gleichzeitig auf Probleme und Defizite hingewiesen werden sollte. Dabei ging es auch darum zu überlegen, wie die Daten zukünftig besser für Handwerkszwecke genutzt werden können. Den Teilnehmern wurde ein breites Programm geboten. Zuerst gab der Geschäftsführer des ifh Göttingen, Dr. Klaus Müller, einen inhaltlichen Überblick über statistische Datenquellen für das Handwerk, wobei auch intensiv die verschiedenen damit einhergehenden methodischen Probleme diskutiert wurden. So wird bspw. die Erfassung der Handwerkseigenschaft unterschiedlich vorgenommen, so dass einzelne Statistiken nicht miteinander vergleichbar sind. Ein Problem ist auch, dass häufig nicht alle Handwerksbetriebe in der Statistik berücksichtigt werden. So fehlen bspw. oft das handwerksähnliche Gewerbe oder die handwerklichen Nebenbetriebe. Teilweise werden in den Statistiken auch nur größere Betriebe erfasst, wodurch das Handwerk ungenügend repräsentiert wird.

Danach gab Frau Neuhäuser vom Statistischen Bundesamt Wiesbaden einen Überblick über den Umfang und die Entwicklung der amtlichen Handwerkstatistik. Insbesondere ging sie dabei auf die Handwerksberichterstattung und die bevorstehende Auswertung des Unternehmensregisters für das Handwerk ein. Neu ist an diesen Statistiken, dass sie auf Verwaltungsdaten der Bundesagentur für Arbeit und der Oberfinanzdirektionen beruhen und nicht auf einer Umfrage bei Betrieben. Auf diese Weise werden bürokratische Belastungen der Betriebe abgebaut. Zu prüfen ist allerdings, wie genau diese Daten die Realität widerspiegeln.

Am zweiten Tag wurde ausführlich auf die Möglichkeiten und Grenzen der organisationseigenen Handwerksstatistik eingegangen. Herr Dr. Weiss vom Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin berichtete über die vielfältigen Aktivitäten des Dachverbandes. In naher Zukunft wird eine statistische Datenbank frei geschaltet, in der eine individuelle Recherche und Auswertung von statistischen Handwerksdaten nach verschiedenen Gesichtspunkten möglich sein wird. Allerdings wies Dr. Weiss auch darauf hin, dass bei der Auswertung von Handwerkskammerdaten noch viele ungenutzte Potenziale stecken.

Eine große Datenbank, in der auch Handwerksbetriebe enthalten sind, wurde von Creditreform aufgebaut. Herr Bretz erläuterte die verschiedenen Möglichkeiten, die diese Datenbank auch im Zusammenhang mit speziellen Auswertungen für das Handwerk bietet. So wird bspw. einmal pro Jahr eine Publikation über die Wirtschaftslage im Handwerk
veröffentlicht.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) führt neben ihrer eigentlichen Tätigkeit als Förderbank auch diverse Umfragen durch. Frau Dr. Tchouvakhina stellte diese Datenbestände vor. Bislang sind diese jedoch nur begrenzt oder überhaupt nicht nach der Handwerkseigenschaft der Betriebe ausgewertet worden. Dies ist nach ihren Worten grundsätzlich möglich, wobei hierfür jedoch detaillierte Statistikkenntnisse notwendig sind. Daher sei eine solche Aufgabe primär für Mitarbeiter von wissenschaftlichen Instituten geeignet.

Einen wichtigen Datenbestand stellen auch die Betriebsvergleiche dar, die von
verschiedenen Institutionen erstellt werden. Herr Werth von der Rationalisierungsgemeinschaft Handwerk Schleswig-Holstein e.V. erläuterte detailliert die verschiedenen Erfassungsprobleme, die sich bei der Durchführung eines Betriebsvergleiches ergeben. Diese liegen beispielsweise darin, die verschiedenen Kostenkategorien geeignet abzugrenzen, was einen relativ großen Aufwand erforderlich macht. Dieser ist leider nur für eine begrenzte Anzahl von Betrieben leistbar, weshalb die Teilnehmerbasis meist relativ gering ist. Die Qualität der Daten ist dafür relativ hoch einzuschätzen.

Am letzten Tag wurden Branchenberichte, die für einzelne Handwerkszweige von Kreditinstituten herausgegeben werden, diskutiert. Herr Dr. Lehmann vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin stellte die Reihe "Branchen Spezial", die halbjährlich für etwa hundert Branchen erscheint, vor. Von diesen sind etwa 25 als handwerksnah zu bezeichnen. Die Branchenberichte werden vom ifo-Institut München erstellt und berücksichtigen verschiedene Datenquellen, so die amtliche Statistik, Angaben von Branchen- und Berufsverbänden, Wirtschaftsinstituten und auch Expertenwissen.

Vergleichbar sind die Branchenberichte für das Handwerk, die vom Deutschen Sparkassenund Giroverband (DSGV) herausgegeben werden. Herr Veh vom DSGV erläuterte die Gliederung und den Inhalt der Branchenreporte. Daneben erstellt der DSGV noch Branchenkennzahlen und Branchenprognosen. Beide beruhen u.a. auf der großen Datenbank der Sparkassen mit etwa 2,8 Mio. Bilanzen, davon viele aus dem Handwerk. Zukünftig wird zu prüfen sein, inwieweit dieser große Datenbestand noch besser für das Handwerk nutzbar gemacht werden kann. Die verschiedenen Branchenberichte, sowohl der Volksbanken als auch der Sparkassen, sind bei den Instituten vor Ort erhältlich.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurden die verschiedenen Ergebnisse
zusammengefasst und die Teilnehmer befragt, welche Defizite sie vor allem in der Handwerksstatistik sehen. An erster Stelle werden belastbare Daten über Beschäftigte und Umsatz, die auch in absoluten Werten, zeitnah und auf regionaler Ebene ausgewiesen werden, vermisst. Bei den Betriebsvergleichen ist es problematisch, das diese nur für bestimmte Regionen (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen) erstellt werden und keinen bundesweiten Charakter besitzen. Daneben fehlen Daten über Absatzrichtungen und Kostenstrukturen im Handwerk ebenso wie eine geeignete Gründerstatistik. Die Ergebnisse der Tagung sollen in einer Publikation zusammengefasst werden, um die bestehenden Datenangebote transparent zu machen und ihre Nutzung voranzutreiben. Darin werden auch weitere Datenangebote behandelt, die bislang ungenutzt sind und auf der Tagung nur am Rande gestreift werden konnten.

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